Beim Leerverkauf verkauft ein Anleger eine Aktie, die er gar nicht besitzt. Dazu leiht er sie sich gegen eine Gebühr von jemandem, der sie hält, und verkauft sie sofort am Markt. Später muss er die gleiche Anzahl Aktien zurückkaufen, um sie an den Verleiher zurückzugeben. Ist der Kurs in der Zwischenzeit gefallen, ist die Differenz sein Gewinn. Ist er gestiegen, entsteht ein Verlust.
Leerverkäufe sind ein Werkzeug professioneller Anleger, um auf fallende Kurse zu setzen oder Bestände abzusichern. Sie liefern dem Markt zudem Gegenstimmen – ohne Leerverkäufer ist die Preisbildung in der Tendenz optimistischer. Für Privatanleger sind sie wegen ihres Risikoprofils kein Standard-Werkzeug.
Beispiel
Ein Hedgefonds hält eine Aktie für überbewertet. Er leiht sich 10.000 Stück, verkauft sie zu je 100 € und nimmt 1 Mio. € ein. Fällt der Kurs auf 70 €, kauft er die Aktien für 700.000 € zurück und gibt sie an den Verleiher – Gewinn vor Gebühren: 300.000 €. Steigt der Kurs dagegen auf 130 €, kostet ihn die Rückgabe 1,3 Mio. € – Verlust: 300.000 €.
Häufige Verwechslung
Verluste sind beim Leerverkauf theoretisch unbegrenzt, weil ein Kurs nach oben keine Grenze hat. Wer Aktien klassisch kauft, kann maximal seinen Einsatz verlieren. Wer leerverkauft, kann ein Vielfaches des Einsatzes verlieren – das ist der zentrale strukturelle Unterschied.
Merksatz
Beim Leerverkauf sind die Verluste theoretisch unbegrenzt – das zentrale strukturelle Risiko.